Schattenwelt

Außen still, innen leer. Auf der Suche nach Inhalt, doch jeden Tag mehr weniger von mir. Nur ein Brennen in der Kehle, ein Rauschen der Gedanken und kein einziger Laut, der sich an die Oberfläche traut. Keine Narben auf dem Arm, aber welche auf der Seele. Ein Kopf voller Stimmen und ein Herz ohne Gefühle. Es gibt nur ein Loch in meinem Bauch, das Schmetterlinge verschlingt und eine Hülle übrig lässt, die mir die Himmelfahrt verweigert. Mutig genug, um zu leiden, aber nicht Held genug, um in den Tod zu gehen. Eine romantische Masochistin ertrinkt in der Badewanne des Selbstmitleides und das Wasser lässt sie sich selber ein. 

Meine Dimensionen waren so klein, meine Gedanken gefangen. Ich läge immer noch in der Badewanne, wäre ich nicht in den Schatten gegangen, wo der Schlüssel liegt. Denn selten ist die Lösung offensichtlich, die Fehler unauslöschlich. Selten ist der Widerstand gering, wenn man gegen sich selbst in den Krieg zieht und der Schock nur klein im Angesicht seines Seelenstripteas’. 

Stille Seen sind tief und verdammt nochmal dreckig. Ich bin vielleicht ein guter Mensch, aber meine Seele ist fleckig, weil ich sie mit meinem Blut beschmutzte. Ich tue keiner Fliege was zu Leide, aber ging es um mich, war ich bereit, bis an den Abgrund zu gehen und mich hinterrücks hinabzustoßen. Ich war eine Tänzerin, die blutigen Fußes auf einem Drahtseil tanzte und das Monster unter sich mit Fetzen ihrer selbst fütterte. Doch nach vielen Sprüngen in das Ungewissen, Tauchgängen in die finstre Nässe, Schlachten gegen mein Spiegelbild und Exkursionen in die Schattenwelt – nennt es wie ihr wollt, denn die Psyche ist verrückt – fand ich meinen Schlüssel und viele Wege in das Licht. 

Außen still, innen leer – das war einmal, das gibts nicht mehr.

Jetzt bin ich zwar immer noch außen still doch innen laut. Mit vielen bunten Träumen, von denen sich nach und nach jeder an die Oberfläche traut. Keine Narben auf dem Arm, aber welche auf der Seele. Doch das ist nicht schlimm, denn Narben zeichnen und inzwischen liegt es in meiner Hand ein Kunstwerk draus zu machen. Ein Kopf voller Stimmen und ein Herz voller Gefühle, die immer noch im teenagergalopp einem Ziel entgegenpreschen, das sich Leben nennt. Das Loch in meinem Bauch ist ausgefüllt und Schmetterlinge lieben die Blumen dort, die in tiefen Schluchten, finsteren Gewässern, auf Schlachtfeldern und in Schattenwelten Wurzeln schlugen. Meine Psyche ist zwar nicht stabil, aber nahm sich die Muse an die Hand und zeichnet neben Galgen Regenbögen an die Wand. Das Leben ist verrückt und ich bin der Hutmacher, der sich an der reich gedeckten Tafel des Glücks seine Kuchenstücke einfach nimmt und die schönste Tasse obendrein, mit einem Berg voll Tee gefüllt. Denn wer nicht nimmt, dem wird gegeben – und zwar von den gammligen Resten, aber auf die kann man verzichten, wenn man sich traut. 

Doch nicht jeder Tag ist bunt und schön. Manchmal müssen wir im Dunklen tappen, um keine Angst vorm Schatten zu bekommen. Denn im Schatten lauern, neben Monstern und Ängsten, die wertvollsten Erkenntnisse. Geschützt vor Licht und Offensichtlichkeit liegt hier dein verwundbarstes Ich, was sich noch nicht ganz traut, überhaupt eine Idee zu sein. Pass auf dich auf – auf dein Licht und auf deinen Schatten. Nur, weil etwas dunkel ist, darfst du es nicht übersehen. Um dich bei Licht zu betrachten, ist ein Blick in deinen Schatten essentiell. Denn dort ruhst du in deiner ewigen Unvollkommenheit und wartest auf Entwicklung – die so oder so erfolgen wird. Entscheide du, wohin sie führt.

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