Kein Liebestext

Ich schreibe keine Liebestexte, denn das ist viel zu kitschig. Liebestexte gibts doch viel zu viele; was soll ich noch dazu sagen, außer all die abgenutzten Phrasen? Was soll ich noch zu der Liebe sagen, was nicht schon längst ein anderer sagte? In Gedichten, Liedern und ganzen Geschichten ist sie festgehalten und erblüht in ihren schönsten Farben – wie eine Blume aus bedrucktem Papier.

Ich schreibe keine Liebestexte, denn die Liebe ist zu abgenutzt. Wo soll ich noch nach ihr graben, wenn sie schon beim Selbstmörder und Serienkiller das Motiv zum Töten war? Was soll ich noch zu der Liebe sagen, wenn sie in Gedichten, Liedern und ganzen Geschichten schon der Grund für alles war? Sie keimt in Helden und Versagern – wie eine Blume aus viel bedrucktem Papier.

Ich schreibe keine Liebestexte, denn das ist viel zu trügerisch. Ich würde nur das gleiche sagen, was andere schon vor mir sagten. Dabei würde ich vergessen, dass über Liebe und ihre bedingungslose Ewigkeit nur die Fiktion spricht. Denn Liebe entwuchs aus Gedichten, Liedern und ganzen Geschichten als eine viel bedruckte Blume aus Papier, die sich an unserer Wirklichkeit verbrannte und als stiller Zeuge unsere Scheinheiligkeit erkannte.

Ich schreibe keine Liebestexte, damit sie nicht als Häufchen Asche unsere Unzulänglichkeiten bedecken und den Anschein erwecken, Liebe sei in jedem von uns.

Ich schreibe keine Liebestexte, sondern mach von ihr Gebrauch im wahren Leben.

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