Entzweiung

Der Text ist ein wenig experimentell… Schreibt mir gerne eure Meinung in die Kommentare und wenn ihr einen Verdacht habt, worum es geht, gerne auch den!

Was klirrt, was klingt? Was lärmt, was singt?

Schallendes Lachen. Die Welt dreht sich. Am Auge fliegen verschwommene Bilder, verzerrte Lichter vorbei. Es scheint, als dröhne die Sphäre, als zucke der Äther zum Bass, zum Rhythmus einer getriebenen Melodie. Dabei tanzt nur sie, sie allein, und die Welt steht still. Schallendes Lachen, raue Gitarrenriffs, glasklare Klavierakkorde und ein Vers: „Absent gods and silent tyranny, we´re going under, hypnotised, by another puppeteer“. Die bloßen Füße straucheln und finden keinen Halt. Die Welt, sie kippt. Die Frau, die lachte, liegt am Boden, noch im Nachthemd – wie ein Schneeengel.

Plötzlich ist die Stille lauter als der Lärm. Plötzlich hört sie nur noch ihr Blut rauschen. Sie setzt sich mechanisch auf, schaut nervös um sich. Die Anzeige der Musikanlage blinkt – in roten Leuchtbuchstaben. Sie blinkt, blinkt, blinkt. Rot. Rot. Rot. Ein Zucken um ihren Mund.

Was tippelt, was tappelt? Was rüttelt, was wackelt?

Sie dreht sich ruckartig um. Nur der Wind, der das gleißende Tageslicht durch das Fenster trägt. Sie deckt ihr Gesicht mit ihrer Hand ab und kriecht auf drei Gliedmaßen zum Vorhang, um die Helligkeit auszusperren, bevor sie in ihren Kopf stechen kann. Ein Schütteln ihres Körpers bringt sie aus dem Gleichgewicht. Ein Schnappen nach Luft – und ein Kichern. Unkontrollierte und hysterische Laute. Diesmal nicht. Diesmal bin ich schneller. Sie schließt den Vorhang.

Was schilt und was scheut sich? Was kniet und was beugt sich?

Sie kommt auf ihre Füße, taumelt noch leicht und geht dann geradewegs auf ihn zu. Sie sieht nicht sich. Sie sieht nicht, wie zerzaust ihre Haare sind, wie tief ihre Augenringe sind, oder wie, Wölbung für Wölbung, ein zweites Gesicht ihrer Stirn entwächst.

Ihr Herz schlägt schneller. Sie sieht ihn. Den, den sie nicht sehen will. Den, vor dem sie Angst hat. Verschwinde.

Nur ein Flüstern.

Verschwinde.

Ein weiteres Flüstern.

Sie beginnt, sich zu entfliehen. Gelangt in eine Sphäre aus Angst. Ist bei Bewusstsein, aber ohnmächtig. Kann handeln, aber nicht eigenmächtig. Rot. Rot. Ein rotes Blinken. Jemand starrt sie an. Mit Augen, die Seelen verschlingen. Gehöre ich dir schon? Friss mich nicht, du Ungeheuer. Kaum mehr ein Flüstern.

Klauen kratzen, Hörner auf Fratzen. Nahes Traben, genüssliches Laben.

Er kommt näher, streckt seine Klauen aus und greift nach ihr. Panik erobert ihre Kehle und mündet in einen markerschütternden Schrei. Fass mich nicht an! Kristallenes Kreischen. Der Rote springt davon. Stille; nur ein Murmeln: „…we´re going under, hypnotised, by another puppeteer“.

Ausgezehrt wankt sie zur Couch, kauert sich hin und sinkt, nach einem letzten Schauer, in einen unruhigen Schlaf. In ihrem Nachthemd liegt sie da, wie ein Schneeengel.

Ihr gegenüber hängt er immer noch – zersplittert und rot bemalt – der Spiegel.

 

(Zitierter Vers von Muse „Mercy“)

Ein Kommentar zu „Entzweiung

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