Endgültig oder frei?

Glaubt es, oder nicht – ich habe mal an einem Poetry Slam teilgenommen. Und diesen Text habe ich vorge…slamt. Ist auch schon zwei Jahre her. Ich möchte den Text jetzt mit euch teilen, weil er wirklich einen wichtigen Abschnitt in meinem Leben beschreibt. Der ein oder andere findet sich vielleicht wieder. 🙂 Viel Spaß!

Keine Ahnung wieso ich immer Angst vor dem letzten Schritt habe, der Endgültigkeit…

Es scheint alles fest zu sein und so bestimmt, unumwandelbar.

Das muss ja nicht unbedingt schlecht sein. Nägel mit Köpfen zu machen hat ja durchaus was für sich.

Aber ich habe Angst. Angst davor, fixiert zu sein. Sei es auf einem Blatt Papier mit meinen Schulleistungen, oder in einer Beziehung. Lieber auf Sparflamme funktionieren, um die Ausrede zu behalten, es hätte besser sein können, wenn ich mich angestrengt hätte – das weiß ich!

Ihn lieber an der kurzen Leine halten, um leichter entkommen zu können, mit der Ausrede, nicht verliebt gewesen zu sein. Denn wenn ich ihn an der kurzen Leine halte, dann fängt mich seine Liebe nicht ein.

Ich habe Angst vor der Endgültigkeit. Angst davor fixiert zu sein, keine Freiheit zu haben, weil ich in meinen vergangenen Tagen anders entschieden habe, beziehungsweise überhaupt entschieden habe, etwas zu vollenden.

Häufig habe ich den Schwanz eingezogen, kurz vor einer Entscheidung, denn ich halte mir lieber alles offen. Ich war frei, doch habe mir nicht selbst vertraut, denn ich bekomm`s ja sowieso nicht hin. Das war mein Mantra. Was ist Freiheit schon wert, wenn man Angst hat, Gebrauch von ihr zu machen?

Und trotzdem schaffte ich so viele Sachen. Nicht die, die ich mir eigentlich vorgenommen hatte durchzuziehen, sondern andere, nicht minder riskante, doch meine Methode war ne andere.

Ich habe mich mir selbst gestellt und viele Dinge geändert. Habe meinen Kompass neu gepolt und Norden durch „lebe!“ ersetzt.

Ich war feiern in der Schulzeit und habe die Müdigkeit am nächsten Tag genossen, weil sie nach Leben schmeckte. Ich habe mich erfreut an Eis und Schokolade, ganz ungezwungen, und habe auf die Zeitschriften wie…was weiß ich, wie die alle heißen, geschissen. Woher sollen die auch wissen, was mich glücklich macht?

Ich habe gekifft, getanzt, gelacht, gesungen und mich tattoowiert. Ich hatte keine Angst. Keine Angst, meine persönlichen Umwege zu gehen und meine alten Pfade zu verlassen.

Nie steht etwas fest, immer ist man in Bewegung – das habe ich geliebt, und ich liebe es noch immer. Frei zu sein, nicht auf einem Blatt Papier zu stehen als guter oder schlechter Schüler. Mir selber keine Rechenschaft zu schulden, denn ich legte mich ja nie auf etwas fest und konnte somit keine Fehler machen. Ich war frei und hatte immer Grund zu lachen, denn das Leben ist nur reine Ironie.

Natürlich hat man auch Probleme und Dinge, mit denen man nicht zufrieden ist. Meine neue Sicht auf`s Leben hat mir allerdings den Blick dafür verklärt. Ich sah Dinge, Situationen und Menschen stets durch meinen schelmisch ironischen Schleier an und ließ sie nicht an mich heran, was ja nicht unbedingt von Übel ist, jedoch Nähe verwehrt und Gefühle erstickt.

Ob ich nun mein Leben oder mich selbst mit Abstand betrachte, macht nun keinen großen Unterschied. Ich stellte also fest, das meinem Leben, bei all der neckischen Naivität, eine Art Tiefgründigkeit abhanden kam. Ich selber wurde weniger still und allgemein bekannt sind stille Seen tief.

Vielleicht wars diesmal auch nur eine andere Tiefe, die ich noch nicht kannte, die nicht ins Dunkle, sondern in ein Delta gelangte, an deren Kreuzung ich mich entscheiden muss, um tiefer zu gelangen und neue Abzweigungen zu gehen.

Ich habe Angst vor diesem Schritt. Angst davor, fixiert zu sein, meine Freiheit zu verlieren und vielleicht den falschen Weg zu wählen.

Doch, meine neue Art das Leben zu beschauen hat mich eins gelehrt – es gibt kein falsch und auch kein richtig. Es gibt nur das, was in mir schlummert – der Schlüssel ist die Tat und mein neu gepolter Kompass zeigt den Weg. Es gibt nur das, was mich glücklich macht, denn der Sinn meines Lebens bin immer noch Ich.

Mein Leben ist nicht festgeschrieben, ist auch nicht fixiert. Jede Handlung öffnet neue Türen und jede Person, die ich in mein Leben lasse, wird mich berühren. Denn durch meine neue Lebensweise ist die Mauer eingestürzt und die kurze Leine eingerissen.

Seine Liebe kann mich nun erreichen. Ich habe keine Angst, fixiert zu sein und meine Freiheit zu verlieren. Ich bin genauso frei wie vorher, nur um einen Menschen reicher, der mit mir sein Leben teilt.

Ich habe mich geändert und werde es immer wieder tun. Leben ist Bewegung. Es lehrte mich, ein Narr zu sein, somit war die Narrenfreiheit mein und auf dem Weg dorthin schenkte es mir wundervolle Menschen und mich ein klein wenig mehr mir. Ich freue mich auf den nächsten Umweg und werde nicht bereuen, ihn gegangen zu sein!

4 Kommentare zu „Endgültig oder frei?

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