Gute Taten

Gibt es eine Chance, die Welt zu einem bessern Ort zu machen, nur, indem man gut ist?

Wer mir sofort dazu einfällt, ist Jesus. Ist er nicht das perfekte Paradebeispiel, was dafür spricht, dass dem nicht so ist? Er hat das Christentum gelehrt und war immer derjenige, der auch die andere Wange hinhielt. Er lehrte uns die Nächstenliebe und wurde doch von einem aus seinem Vertrauenskreis verraten. Er vergab der Menschheit und starb für ihre Sünden. Und wie haben wir das gewertschätzt? Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, Ablasshandel. Wie war das noch mit: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst?

War Jesus nun ein sadistisch veranlagter Freak oder war er die Gutmütigkeit in Person? So viel Wohlwollen und Milde – und hat es für uns was verändert? Wir wissen, dass es ihn gab, so viel ist sicher. Aber tun wir es ihm gleich, indem wir unsere Feinde lieben, weder eitel noch verlogen sind?

Könnten wir unser eigenes Kreuz tragen?

Mit Blick auf die heutige Welt schwanke ich immer wieder zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit. Es scheint, als könnte man als normaler Mensch so viel gutes machen, wie man will, ohne eine weltbewegende Veränderung hervorzurufen.

Der gute Mensch von Heute achtet auf seinen Stromverbrauch, um die Umwelt nicht zu schädigen. Er trennt den Müll, bringt seine Kinder zur Schule und holt sie Abends vom Training ab, damit sie nicht alleine im Dunkeln nach Hause müssen und nicht von Perversen abgefangen werden. Der gute Mensch zahlt brav seine Steuern, hält dem Hintermann die Tür auf und wirft dem Obdachlosen eine Münze auf sein „Ich habe Hunger“-Pappschild.

Abends guckt er dann Nachrichten und stellt fest, dass in der großen, weiten Welt gar nichts rund läuft. Des guten Menschen Motto: Jeden Tag eine gute Tat, scheint niemanden zu beeindrucken und ihn selber nur in depressive Stimmung zu ziehen. Herzlichen Glückwunsch, die guten Taten von heute waren umsonst. Die von gestern übrigens auch. Willst du dich morgen trotzdem noch bemühen?

Man könnte auch einfach Steuern hinterziehen, beim Zähne Putzen das Wasser laufen lassen und dem Kind Geld fürs Taxi geben, was man dann ja Dank der Steuerhinterziehung hat.

So, und ändert dieses Verhalten was am Großen Ganzen? Ich wage mal eine eher negative Prognose…

Doch der gute Mensch fasst sich an die eigene Nase und tut mit all den guten Taten ja letztendlich auch nur das Beste für sich. Und ich spreche hier noch immer vom normalen Durchschnittsmenschen. Also niemand, der keine Kinder, Familie oder andere Verpflichtungen und ne Menge Geld hat, gegen so manches Gesetz verstößt um eben dadurch Gutes zu erzielen – wobei das ja auch schon eher Selbstjustiz gliche – und mal eben einen auf Superhelden macht.

Und selbst, wenn. Ob nun Durchschnittsbürger oder Superheld – habe ich das Gefühl, dass nicht mal ein zweiter Jesus uns retten könnte. Verschließt doch so mancher nur all zu gerne die Augen vor dem eigenen Kreuz, sodass es in der Zwischenzeit eine Dorian-Gray-mäßige Entwicklung durchläuft, und das im typischen Fall eh keiner mitbekommt.

Dann gibt es noch diejenigen, die ihr Kreuz tragen – was allerdings auch keinen interessiert.

Ich trenne trotzdem weiterhin meinen Müll. Jetzt erst recht!

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