Luxusproblem

Dieses ganze sich selbst finden und sich selbst akzeptieren und wertschätzen ist ja groß im Kommen, wenn man das so sagen kann. Macht auf mich allerdings, mit Blick auf das ganze (öffentliche) Leben, den Eindruck eines wunderschönen Scheines. „Natürlich stellen wir Leute ein, die deutsch nicht als Muttersprache sprechen.“. Aber vor Ort auf Arbeit wird sich dann aufgeregt, dass man mehr Zeit in die Kommunikation stecken muss. Womit wir schon das erste Paradoxon hätten…

Um sich durchsetzen zu können, verlangt es überall nach Entschlossenheit, Zielstrebigkeit, Action, Action, Action und der Voraussetzung, dass man weiß, was man will. Dass man immer verlangt, hart arbeitet und Karriere macht. Und vor allem, dass man sich anpasst. Denn keiner hat Lust und Geduld für Querdenker.

Das bedeutet für mich: Schwächen gibt es keine und hat auch niemand. Du investierst bitte deine ganze Lebenszeit in deine Arbeit und tust alles, um immer besser zu werden. Und nein, sowas wie persönliche Probleme, individuelle physische und psychische Grenzen gibt es nicht und überhaupt ist es die Höhe, keine Überstunden zu machen.

Natürlich gibt es noch andere Lebensstile (die auch immer mehr berücksichtigt werden) und jeder ist für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Aber das ist eigentlich auch nur eine Floskel. Suche nach deinem wahren Ich, aber wehe du findest es…! Und wenn doch, gibt es bestimmt irgendwo ein System, was dich nicht rein lässt.

Derjenige, der nichts sagt, ist komisch, traurig, arrogant oder dumm. Derjenige, der offen und kommunikativ ist, ist beliebt und kommt super klar – macht zumindest den Anschein.

Doch letztendlich ist jeder so, wie er nunmal ist. Und da braucht man eigentlich auch nach nichts zu suchen, wenn einem nicht andauernd gesagt werden würde, wie man zu sein hat. Irgendwelche kleinen, komischen Eigenheiten werden dann von einem selbst nicht mehr akzeptiert und schon fühlt man sich „anders“. Aber letztendlich hat jeder solche Macken und eben diese tragen nunmal zu seinem Wesen bei und machen uns so einzigartig. Und so darf jeder auch unbedingt sein!

Ich bin auch so, wie ich bin und will da auch vorerst nichts dran ändern. Gut, es gibt auch überall mal wieder Idioten, die gerne eine homogene Masse an Mitmenschen hätten oder mit der einen aufmüpfigen, oder der anderen viel zu introvertierten Art nicht klar kommen. Aber eben genau wegen solcher Menschen sollte man erst recht so sein, wie man ist!

Die Modeerscheinung „Selbstakzeptanz etc“. Ja, wir haben es schon gut, dass wir uns solchen Sachen wie, „Wer bin ich und was ist mein Sinn hier“, widmen können. Woanders kämpfen Menschen, dass andere sie so akzeptieren, wie sie sind. Kämpfen sogar damit, überhaupt sein, im Sinne von leben, zu können, guckt man sich mal andere politische Situationen an…

Diese ganzen Selbstakzeptanz- und -verwirklichungs-Geschichten sind also ein Luxusproblem. Das soll sich jetzt gar nicht abwertend anhören. Im Gegenteil. Wir können froh sein, dass der Durchschnittsbürger, dass wir, keine anderen Sorgen haben.

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