Wille

„Wer will, wer will, der bekommt was auf die Brill´ “, hieß es früher immer. Oder: „Das heißt: ich MÖCHTE“.

Diese Sätze hat doch schon jeder als kleines Kind gehört und wurde somit mal eben vom „Wollen“ entwöhnt. Aber gerade als Kind hat man doch noch den ursprünglichen Trieb, der einen zu dem bringt, was für einem in genau dem Moment wichtig ist – selbst, wenn es nur die eine Kugel Eis ist. „Ich will!“, ist bestimmt der erste, vollständige Satz, den ein Kind über die Lippen bringt – und der wird ihm auch gleich wieder abgewöhnt und durch: „Darf ich“, oder „Ich möchte bitte“, oder am besten noch indirekter „Ich würde ja gerne….wäre es denn vielleicht möglich…“, ersetzt. Immer schön höflich und unaufdringlich und bloß nicht zum eigenen Vorteil nach dem verlangen, was einen glücklich machen könnte!

So, und wo ist jetzt der Wille hin, der einem doch der Impuls ist, seinem Verlangen Ausdruck zu verleihen und das zu erlangen, was man unbedingt haben WILL? Wurde uns unser Wille tatsächlich in der Kindheit genommen? Seltsamerweise fühlte ich mich immer als unerhört abgestempelt, wenn ich etwas WOLLTE, aber was ist falsch daran, etwas zu wollen?! Der Wille zeigt einem doch, was man will (so banal sich das jetzt auch anhört). Irgendwie gleicht er einer Kompassnadel, die jeder besitzt, welche auf ihn selbst als facettenreiches Wesen gepolt ist – es gilt nur noch, seinem Willen intuitiv zu folgen und auf seine Weise glücklich zu werden. Aber was ist, wenn wir schon in früher Kindheit dazu erzogen werden, unsere Kompassnadel so zu verbiegen, dass wir uns gar nicht mehr trauen, sie anzugucken?! Und dann am besten noch den anderen gerecht werden, nur weil man seinen eigenen Wünschen nicht mehr traut – denn sie sind ja egoistisch, unmoralisch und somit gegen das Wohl der Gesellschaft.

Ein Argument für diese Umerziehung wäre vielleicht, dass man in einer Gemeinschaft als soziales Wesen lernen muss, zurückzustecken und auch auf die Wünsche anderer einzugehen. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass, erstens, man sich in einer Gemeinschaft sowieso gemeinsam arrangiert. Großkotzige Egoisten werden bestenfalls einmal ordentlich in die Schranken gewiesen, sodass sie lernen, wie und wo sie sich mit wem arrangieren müssen. Und solche, die ihre Wünsche ganz hinten anstellen, wird es wahrscheinlich kaum geben. Denn wenn einem nicht schon als Kind das Wollen verboten wird, bleibt man tough genug, um seinem Willen zu folgen – und wenn´s auf eine etwas sanftere Art und Weise geschieht, als bei anderen.

Zweitens, um nochmal auf das Argument zurückzukommen: Wie soll man auf die Wünsche anderer eingehen können, wenn sich niemand mehr traut, seine Wünsche zu artikulieren?

Wille wirkt wie ein Katalysator für die Umsetzung eigener Bedürfnisse.

Wenn man nicht weiß, was man will, weiß man bestenfalls, was man nicht will – und diese Art des Ausschlussverfahrens bringt einen auf lange Sicht auch nicht weiter, zumindest nicht auf befriedigende Art und Weise. Das beste Paradebeispiel: die Frage nach dem Job, den man später ergreifen will. Die meist gestellte Frage jeglicher Verwandter und gleichzeitig die meist gehasste der Jugendlichen: „Was möchtest du denn später mal machen?“, „Weiß ich nicht, keine Ahnung.“, gefolgt von einem unentschlossenen Schulterzucker, ist wohl die klassischste aller Antworten. „Aber du musst doch wissen,was du willst!“. Moment: Erst darfst du nichts wollen und jetzt verlangt man, dass du weißt, was du willst!?

Ich mache gerade die Erfahrung, wie es ist, seinen Willen neu zu Entdecken, denn ich stehe genau an dieser Stelle, die nach einer Entscheidung verlangt – und das nicht nur von Muttern aus. Denn ich merke, wie etwas in mir beginnt zu drängen. Und sobald ich diesem Drängen folge, stellt sich eine wohltuende Befriedigung und das Gefühl reizvoller Freiheit ein, welches in meinem Magen eine Art Serotoninatompilz entstehen lässt! Und dieses Drängen ist wahrscheinlich die viel zu lange im Bann gehaltene Energie meines Willens – eine wirkungsvolle Mischung aus der klaren Stimme des Verstandes und dem sehnsuchtsvollen Flüstern des Herzens. Meine persönliche Kompassnadel, die mich erneut lehrt, mit dem Fuß aufzustampfen, wenn ich nicht das bekomme, was ich will!

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