Mutter

Ich weiß nicht, was es bedeutet, Mutter zu sein. Ich weiß nur, dass ich, wenn ich ein brüllendes Baby oder plärrendes Kleinkind höre, ärgste Aggressionen bekomme. Da sitzt man in der Straßenbahn und eben solch ein kleines, hochrot angelaufenes Wesen brüllt, dass einem die Ohren abfallen. Wann steigt die Mutter endlich aus mit dem Schreihals? Wie kann ein so kleiner Mensch überhaupt einen so monströsen Resonanzkörper haben?

Doch jedes Mal, wenn ein Geräusch dieser himmelhochjauchzenden Frequenzen meine Nerven zerrüttet und ich instinktiv zusammenzucke, wird mir immer wieder deutlich – ich war mindestens genauso schlimm, wenn nicht sogar schlimmer. Ja, ich war ein kleines Teufelchen. Ich habe nicht nur wie am Spieß gebrüllt in der Straßenbahn, sondern mich auch der Länge nach, steif wie ein Brett, auf den Boden geworfen. Würde ich jetzt auf mein Kleinkind-Ich treffen – ich würde mich hassen! Aber wer musste das alles letztendlich, inklusive der Blicke der Leute, ertragen? Meine Mutter.

Mutter zu sein ist nicht nur eine Tatsache, sobald man ein Kind hat. Für mich bedeutet es eher, dass man die erste, kleine Welt für jemanden ist. Der sichere Ort, den es aufzusuchen gilt, wenn die große Welt einem wieder mal Angst einjagt. Jemand, der alles für dich in Kauf nimmt, sich immer wieder für dich entscheidet und nie eine Gegenleistung erwartet. Die erste Ahnung von Geborgenheit und Liebe.

Genauso wenig ist Mutter sein für mich ein Zustand, sondern eher eine Entwicklung, ein Hin und Her, ein Auf und Ab, ein Für und Wider, was einem von keinem Erziehungsratgeber abgenommen werden kann. Man zieht immerhin einen Menschen groß. Das muss man sich mal deutlich machen! Gut, der Vater macht das natürlich auch und nicht minder schlechter! Doch mit der Schwangerschaft hat die Mutter dem Vater etwas voraus. Diese bestimmte, wundervolle wie wunderliche Bindung zwischen der Mutter und ihrem Kind. Mit der die mütterliche Liebe dann und wann zu einem Paradoxon wird und sich anders äußert als sie eigentlich ist. Aber ich glaube, dass brauche ich keiner Mutter zu sagen. Da fallen bestimmt jedem, ob Mutter, Sohn oder Tochter so einige Beispiele ein…

Ich weiß nicht, ob Mütter davon überzeugt sind, gute Mütter zu sein, weder, woran sie das festmachen. An Büchern, Zeitschriften, Methoden anderer Mütter, Methoden der eigenen Mutter? Was ich nur sagen kann: sobald eine Mutter liebt, ist sie eine gute Mutter. Und eine Mutter ist der Inbegriff der Liebe.

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